Vorstände benötigen mehr Cybersecurity-Expertise

Rene Schoenauer, Director Product Marketing EMEA bei Guidewire Software, plädiert für ein besseres Verständnis von Cyberrisiken auf höchster Unternehmensebene

Rund die Hälfte aller deutschen Unternehmen wurde letztes Jahr Ziel von Cyberattacken, wie eine Umfrage aus 2022 ergab. Das wirkt sich auch auf Versicherer aus: Der Gesamtverband der Versicherer (GDV) zeigt, dass Cyberversicherer regelmäßig in die Verlustzone rutschen. Einige Versicherer mussten sich daher bereits aus dem Cyber-Versicherungsmarkt zurückziehen. Um sich davor zu schützen, benötigen Versicherer geeignete IT-Lösungen, mit denen sie Cybersecurity-Risiken adäquat modellieren können. Gleichzeitig bedarf es auf Unternehmensseite einer ausgeprägten Cybersecurity-Expertise im Senior Management und in den Vorständen, um eine wirksame Cybersecurity-Strategie zu entwickeln.

Cyberkriminelle verschaffen sich Vorsprung

Häufig gelangen Angreifer über gefälschte E-Mails und Websites an Identifikations- und Bankdaten. Dieser „Phishing“ genannte Vorgang betrifft Versicherungsunternehmen gleich in doppelter Weise: Zum einen als potenzielle Opfer von Cyberattacken – 2022 gab es in Deutschland 17,7 Million Cybercrime-Opfer – und zum anderen als Branche, die die finanziellen und betrieblichen Schäden dieser Angriffe absichert. Insgesamt zählten die Cyberversicherer laut GDV im Jahr 2021 knapp 3.700 Schäden durch Hackerangriffe auf die deutsche Wirtschaft und leisteten rund 137 Millionen Euro – fast dreimal so viel wie 2020. Hier zeichnet sich eine gefährliche Entwicklung ab: Während die Cyberangriffe immer ausgefeilter werden und häufiger auftreten, verläuft die Weiterentwicklung der IT-Sicherheit in Unternehmen schleppend. In vielen Unternehmen, vor allem im Mittelstand, sind gefährliche Sicherheitslücken vorhanden.

Vorstände überschätzen oftmals die Qualität ihrer Sicherheitssysteme. Cyberrisiko- und Sicherheitsfragen bearbeiten daher oft nur die Prüfungs- und Risikounterausschüsse der Vorstände. In der Folge muss der Vorstand das Security-Fachwissen aus externen Quellen beziehen, meist durch regelmäßige Berichte der „Chief Information Security Officer“ (CISO). Doch es gibt auch Positivbeispiele: Führende Kredit-, Finanz- und Versicherungsunternehmen bilden ihre Vorstände gezielt weiter, berufen Cybersecurity-Fachwissen in ihre Reihen und bedienen sich moderner Analysemodelle und Softwarelösungen, um Cyberrisiken möglichst realitätsnah zu bewerten und immer genauere Cyberrisikoprognosen in ihre Analysen mit einzubeziehen. Neben statischen und historischen Daten verarbeiten sie auch Verhaltensdaten, wodurch die Risikobewertung deutlich besser wird.

IT-Sicherheit steigert Unternehmensbewertung

Auch Kreditgeber wissen, dass Cyberangriffe meist dann ihre schädliche Wirkung entfalten, wenn das attackierte Unternehmen in einem grundlegenden, spezifischen Bereich der Cybersicherheit versagt hat: Denn für den Großteil der finanziellen Verluste sind (temporäre) Betriebsausfälle und die daraus folgenden Wiederherstellungskosten verantwortlich. Deshalb achten Kreditagenturen bei der Bewertung des Kreditrisikos besonders darauf, ob und wie Unternehmensdaten gesichert sind, und wie Reaktionsszenarien aussehen. Unternehmen mit einer durchdachten Cybersicherheitsplanung stellen sich folgende Fragen und verschaffen sich mit ihrer Beantwortung einen großen Kreditvorteil:
1. Kann der Vorstand seine treuhänderische Pflicht erfüllen?
2. Kann der Vorstand Cyberrisiken angemessen verstehen und berücksichtigen?
3. Entspricht der aktuelle Sicherheitszustand dem, was sich Vorstandsmitglieder für Ihr Unternehmen wünschen?

Um diesen Weg erfolgreich zu gehen, die richtigen Fragen zu stellen und die Antworten in eine wirksame Cybersecurity-Strategie einzubinden, bedarf es der nötigen Sicherheitsexpertise in Vorständen. Denn je technologieabhängiger Unternehmen werden, desto mehr Cyberattacken drohen und umso stärker müssen sich Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder gezielt weiterbilden. Für Versicherer bedeutet das zudem, Cyberrisiken besser zu modellieren und mithilfe ausgereifter IT-Lösungen genauer zu prognostizieren. Dies sichert den Geschäftsbetrieb und stiftet Vertrauen bei Stakeholdern wie Aktionären. Cyberversicherungen können zwar die finanziellen Folgen eines erfolgreichen Angriffs abmildern, doch die Unternehmen sind in der Pflicht, Prävention zu betreiben und ihre IT-Systeme optimal abzusichern.

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Corona-Krise: Wirtschaft erholt sich schneller als gedacht

Die Wirtschaft hat die Corona-Krise bereits abgehakt. Zwei Drittel des Topmanagements auf Vorstands- und Geschäftsführungsebene sehen die Geschäfte anziehen und rechnen schon zum Jahresende mit einer Rückkehr zum Vorkrisenniveau. Über alle Branchen hinweg zeichnet sich somit eine weit schnellere Erholung ab als noch vor zwölf Monaten vorhergesagt. Die Digitalisierung des eigenen Unternehmens ist nach Aussagen der obersten Führungsriege aber noch längst nicht abgeschlossen – ganz im Gegenteil: Die (weitere) digitale Transformation hat für 69 Prozent der Studienteilnehmer oberste Priorität und steht damit auf Platz eins der Managementagenda. Mit 51 Prozentpunkten folgt in der diesjährigen Befragung die Ausrichtung des Unternehmens auf Nachhaltigkeit. Dieses Thema hat seit der Befragung vor einem Jahr enorm an Bedeutung gewonnen, als lediglich 14 Prozent der Befragten eine stärkere Orientierung auf ökologisch nachhaltige Strategien und Aktivitäten für sehr wichtig erachteten. Dies sind Ergebnisse einer Umfrage der Managementberatung Horváth unter 250 Vorständen und Geschäftsführern aus 11 Branchen und 26 Ländern.

„Im vergangenen Jahr waren Nachhaltigkeitsstrategien und -aktivitäten durch die Corona-Krise stark in den Hintergrund gerückt, während die Digitalisierung – im Lockdown auch aus der Not heraus – weiter vorangetrieben wurde. Gleichzeitig haben sich länderübergreifend gesetzliche Vorgaben in Richtung Sustainability verschärft. Die Unternehmen stehen jetzt unter enormem Handlungsdruck, sich kurzfristig auf die neuen Gegebenheiten einzustellen und Wege zur CO2-Reduktion beziehungsweise Dekarbonisierung zu finden, um die von der Politik vorgegebenen Ziele Richtung Klimaneutralität zu erreichen“, sagt Dr. Ralf Sauter, Partner bei Horváth. Dem Experten zufolge wird die Arbeit des Topmanagements künftig auch verstärkt an Nachhaltigkeitszielen gemessen, weshalb schon jetzt eine Vielzahl neuer Projekte ins Leben gerufen wird.

„New Work“-Themen aktuell wichtiger als Sparprogramme

Bereits an dritter Stelle der wichtigsten Agendathemen stehen Mitarbeiterbelange und „New Work“-Themen, also neue Formen der Zusammenarbeit wie Remote-Arbeit, agiles Arbeiten oder auch Changemanagement. Mehr als ein Drittel der Topmanager bewertet diesen Bereich als sehr wichtig, weitere 40 Prozent als wichtig. „Um Transformationen erfolgreich umzusetzen, bedarf es flexibler und agiler Strukturen“, so Horváth-Partner Heiko Fink, Experte für Unternehmenstransformationen. „Die Digitalisierung hat die interdisziplinäre Zusammenarbeit erleichtert. Jetzt geht es darum, hybride Formate zu etablieren, die durch Homeoffice gelockerten Hierarchien nicht gleich wieder zu zementieren, und alle Mitarbeiter auf die neuen strategischen Ziele zu fokussieren.“

Programme zur Kostenoptimierung liegen trotz coronabedingten Umsatzeinbrüchen knapp hinter „New-Work“-Themen auf Rang vier der Prioritätenliste. 36 Prozent der Topmanager arbeiten aktuell mit sehr hoher Priorität an der Anpassung der Kosten- und Erlösstrukturen, weitere 39 Prozent mit hoher Priorität. Dieses im Vergleich zum Vorjahr niedrigere Ergebnis ist Heiko Fink zufolge der schnellen wirtschaftlichen Erholung geschuldet.

Wirtschaft mit Corona-Politik eher unzufrieden

Aus Sicht der deutschen Top-Führungskräfte hätte sich die wirtschaftliche Lage schneller entspannen können, wenn die Bundesregierung seit Beginn 2021 weniger zaghaft agiert, klare Signale gesendet und vor allem mit einer Stimme gesprochen hätte. Für ihr Corona-Management erhält die deutsche Politik daher insgesamt nur die Schulnote 3,8. Befragte aus anderen europäischen Ländern sind nur geringfügig zufriedener, der Durchschnitt liegt bei 3,6. „Die Unternehmen können mit harten Einschnitten umgehen, wenn klar kommuniziert wird, wann sie greifen und unter welchen Bedingungen einschränkende Maßnahmen wieder gelockert werden“, so Horváth-Partner Dr. Ralf Sauter.

Über die Studie

An der Studie „CxO Priorities 2021“ von Horváth, die im Mai und Juni zum zweiten Mal durchgeführt wurde, beteiligten sich 250 Mitglieder aus Vorständen und Geschäftsführung global agierender Unternehmen aus 11 Branchen und 26 Ländern. Sie steht hier zum Download zur Verfügung: https://bit.ly/36ErML2

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Horváth ist eine international tätige, unabhängige Managementberatung mit mehr als 1.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern an Standorten in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Ungarn, Rumänien, den USA, Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Wir stehen für ein ausgeprägtes Branchenverständnis sowie höchste fachliche Expertise in sämtlichen Unternehmensfunktionen – mit Fokus auf Performance Management und Transformation. Für unsere international agierenden Kunden führen wir weltweit Projekte durch. Dabei stellen wir auch durch die Zusammenarbeit mit unseren Partnern innerhalb der Beratungsallianz „Cordence Worldwide“ die genaue Kenntnis und Berücksichtigung der jeweiligen lokalen Gegebenheiten sicher.

Unsere Spezialisten unterstützen Unternehmen und Führungskräfte mit umfassender Kompetenz in Geschäftsmodellen, Organisationsstrukturen, Prozessen und Systemen dabei, ihre Organisationen erfolgreich auf die Zukunft auszurichten. Mit Leidenschaft und Umsetzungsstärke verhelfen wir Veränderungen zum Erfolg, für das Gesamtunternehmen, für einzelne Unternehmensbereiche oder für Funktionen wie Vertrieb, Operations, Einkauf, Controlling & Finanzen, HR und IT. Horváth steht für Projektergebnisse, die nachhaltigen Nutzen und Wert schaffen. Deshalb begleiten unsere Beraterinnen und Berater ihre Kunden von der betriebswirtschaftlichen Konzeption über die Verankerung in Prozessen und Systemen bis zum Change Management und Training von Führungskräften und Mitarbeitern.

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