Funktionelle Diagnostik bei Problemen mit Bändern, Muskeln, Sehnen

GOTS Sportmedizin

Funktionelle Diagnostik bei Problemen mit Bändern, Muskeln, Sehnen

Ob im Sport, von der Arbeit oder einfach nur im Alltag – viele Menschen haben Probleme mit einem oder mehreren Gelenken. Um Störungen und Schwächen des Bewegungsapparates genau herauszufinden, reicht eine Bildgebung per MRT, Röntgen oder Ultraschall oft nicht aus. Hier setzt die Funktionelle Diagnostik an. Wie sie funktioniert, bei wem und wann sie angewendet wird – darüber berichtet PD Dr. med. Jochen Paul, Facharzt für Orthopädie/Unfallchirurgie und leitender Arzt an der Rennbahnklinik Basel auf dem 37. Kongress der GOTS vom 19. bis 20. Mai in Berlin.

Der Sportorthopäde betreut viele Freizeit- und Leistungssportler aller Niveau-Stufen und erklärt: „Es geht uns darum, dass Patienten nicht nur mit Bildgebung untersucht werden, sondern zusätzlich mit funktionellen Tests. Diese finden nicht nur Dysfunktionen des Bewegungsapparates heraus, sondern können auch zur Steuerung und Begleitung von Patienten nach einer Operation eingesetzt werden.“

Am häufigsten von Dysfunktionen betroffen sind Schulter, Knie und Sprunggelenk, bei Athleten oft in Ausdauersportarten (zum Beispiel Triathlon) oder Mannschaftssportarten (Ballsportarten).

In der speziellen funktionellen Diagnostik wird der Patient in der Bewegungsausführung genauestens beobachtet, in allen Abläufen gemessen und analysiert. Dies dient als Grundlage, um herauszufinden, ob eine konservative oder operative Therapie angebracht ist.
Meist geht es hierbei um einen Mix aus Kraft-, Stabilitäts- und Bewegungstests. Sie tragen zu einem schnelleren und zuverlässigen „Return to Work“ oder „Return to Activity“ bei, ohne, dass es wieder zu Rückschlägen in der Genesung kommt. „Wenn man die Tests nicht macht, kann es sein, dass etwas übersehen oder falsch gedeutet wird“, so Paul.

In der Rehabilitation nach Kreuzbandverletzungen geht man deshalb heute schon nicht mehr nach Zeiträumen, sondern nach dem Ist-Stand und der Belastungsfähigkeit der Körperstrukturen, welchen die Test-Resultate immer wieder neu anzeigen. Bei Sprunggelenksinstabilität ist per funktioneller Tests sogar eine Aussage darüber möglich, ob eine OP angezeigt ist oder nicht.

Die Experten der GOTS empfehlen dringend, dass jeder Patient, der ein MRT bekommt, auch per funktioneller Diagnostik untersucht werden sollte. Dies gilt für alle Geschlechter und ohne Alterslimitierung.
Zur Pressemitteilung (https://www.gots.org/blog/category/pressemitteilungen/)

Die trinationale (Deutschland, Österreich, Schweiz) Gesellschaft für Orthopädisch-Traumatologische Sportmedizin (GOTS) ist der größte europäische Zusammenschluss von Sportorthopäden und Sporttraumatologen. Sie ist erster Ansprechpartner in der Versorgung von Sportverletzungen und Garant für Qualität in der sporttraumatologischen Versorgung. Ihr Ziel ist es, das Verständnis von sportlicher Belastung und Verletzungen zu verbessern, um die muskuloskelettale Funktion und Lebensqualität zu erhalten. Dafür fördert die GOTS die Aus-und Weiterbildung, die Forschung sowie den internationalen Austausch unter sportorthopädisch und sporttraumatologisch tätigen Medizinern und Berufsgruppen angrenzender Fachgebiete.

Kontakt
Gesellschaft für Orthopädisch-Traumatologische Sportmedizin
Kathrin Reisinger
Bachstraße 18
07743 Jena
0 36 41 / 63 89 144
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Umknicken im Sport: Wenn die Bänder über dem Sprunggelenk reißen / GOTS / Sportmedizin

Horrordiagnose Syndesmosenverletzung

Umknicken im Sport: Wenn die Bänder über dem Sprunggelenk reißen / GOTS / Sportmedizin

Häufig passiert es in Sportarten mit schnellen Richtungswechseln: Fußball, Handball, Tennis zum Beispiel. Einmal den Fuß nach außen weggedreht, umgeknickt und schon ist es passiert – die Bandstruktur des Sprunggelenkes und manchmal auch etwas „höher“ über dem oberen Sprunggelenk halten dem Zug nicht stand und reißen. Entweder teilweise oder ganz. Warum eine Syndesmosen-Verletzung manchmal eine Horror-Diagnose ist und wie sie behandelt wird, darüber berichtet Priv.-Doz. Dr. med. Raymond Best, Facharzt für Orthopädie, Chirurgie, Unfallchirurgie, Notfallmedizin, Sportmedizin (Sportklinik Stuttgart) auf dem 37. GOTS Kongress in Berlin.

Die Syndesmose ist die Verbindung zwischen Waden und Schienbein durch eine straffe Bandstruktur, die insgesamt aus fünf Bändern besteht. Die einzelnen Strukturen sind bindegewebsartig und haben unterschiedlichen Bruchlasten und Steifigkeiten. Nur wenn alle fünf Bänder bei einer Verletzung reißen, redet man von einem kompletten Syndesmosen-Riss, der in diesem Fall dann auch meist auch mit Knochenbrüchen einhergeht. „Bei einem Teilriss, bei dem nur das vordere oder mittlere Band betroffen sind, wird für die Diagnose aber oft der gleiche Terminus verwendet. Das ist ein wenig irreführend, und mündet nicht selten unberechtigt in der Bezeichnung ´Horrordiagnose´“, so PD Dr. Best.

Meist sind Sportler zwischen 12 und 40 Jahren betroffen. Außer in den Sportarten mit schnellen Richtungswechseln können Syndesmosen-Verletzungen oft auch beim Klettern, Wandern oder Skifahren vorkommen, wenn entsprechend hohe Kräfte am Werk sind.

Während Ultraschall, -Röntgen und MRT-Untersuchungen recht schnell einen Komplett-Riss offenbaren, ist es bei einem Teilriss mehrerer Bänder nicht immer gleich eindeutig. Sind nur 2 bis 3 Bänder betroffen, kann man die Folgen für die Stabilität der „Sprunggelenksgabel“ oft nicht zweifelsfrei nur anhand von Bildern belegen. In diesem Fall hilft eine Spiegelung des Sprunggelenkes (Arthroskopie) weiter. Während dieser Sitzung testet der Operateur die Stabilität der Bänder z.B. durch leichtes „Gegendrücken“ des Wadenbeines mit einem kleinen Stab.

Bei der operativen Versorgung wird das Wadenbein in seine Führung am Scheinbein „gestellt“ und per Schrauben oder Fadensystemen eine stabilisierende Verbindung geschaffen, die eine Heilung der syndesmosalen Bandverbindungen sicherstellen soll.

Die Ausfallzeit beträgt in der Regel mindestens 8-12 Wochen.
4-6 Wochen müssen Betroffene nach OP bis zum Abschluss der reparativen Phase teilentlasten, anschließend bis zu drei Monate langsam wieder aufbelasten. Auch eine Teilverletzung, die konservativ behandelt wird, muss entsprechend gut ausheilen und braucht Zeit.
Best: „Das Schlimmste, was passiert, wenn es nicht richtig ausheilt, ist, dass die Syndesmose nicht stabil genug wird, was wiederum zu belastungsabhängigen Schmerzen führen kann.“

Sportler und Nichtsportler unterliegen dabei den gleichen Naturgesetzen, auch bei Sportlern heilt eine Syndesmosenverletzung nicht schneller und erfordert daher eine entsprechend konsequente Belastungspause.

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Die trinationale (Deutschland, Österreich, Schweiz) Gesellschaft für Orthopädisch-Traumatologische Sportmedizin (GOTS) ist der größte europäische Zusammenschluss von Sportorthopäden und Sporttraumatologen. Sie ist erster Ansprechpartner in der Versorgung von Sportverletzungen und Garant für Qualität in der sporttraumatologischen Versorgung. Ihr Ziel ist es, das Verständnis von sportlicher Belastung und Verletzungen zu verbessern, um die muskuloskelettale Funktion und Lebensqualität zu erhalten. Dafür fördert die GOTS die Aus-und Weiterbildung, die Forschung sowie den internationalen Austausch unter sportorthopädisch und sporttraumatologisch tätigen Medizinern und Berufsgruppen angrenzender Fachgebiete.

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